Wissen im Druck: Die Layoutstrategien des Internationalen Psychoanalytischen Verlags (1919-1938)

Im Zentrum des Projektes, das medien-, wissenschafts- und designhistorische Perspektiven verbindet steht die Bedeutung der Buchgestaltung für die Konstituierung wissenschaftlicher Diskurse: Ob nämlich Theorien, Daten, Hypothesen etc. wissenschaftliche Akzeptabilität erreichen, hängt in der Moderne nicht nur von Argumenten, Techniken oder Institutionen ab, sondern genauso von Regimes der Äußerlichkeit, die zumindest bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts hinein an die Präsentationsformen des Buches gebunden waren. In exemplarischer Weise zeigt das der Internationale Psychoanalytische Verlag, der 1919 von Sigmund Freud in Wien gegründet und 1938 von den Nationalsozialisten zerschlagen wurde. In diesen knapp 20 Jahren hat der Verlag sämtliche Titel der damaligen psychoanalytischen Bewegung veröffentlicht; darunter alle Erstausgaben Freuds seit 1920, das erste psychoanalytische Wörterbuch, als Jahrbuch den Almanach, die vier maßgeblichen Zeitschriften (Imago, Internationale Zeitschrift für Psychoanalyse, Zeitschrift für Psychoanalytische Pädagogik, Die Psychoanalytische Bewegung) sowie, in 12 luxuriösen Bänden, die erste Gesamtausgabe der Freud’schen Schriften.

Im Anschluss an die Arbeiten von Murray G. Hall und Lydia Marinelli erforscht das Projekt erstmalig die konkreten Layoutstrategien dieser Publikationen. Deren Merkmale waren: die Durchsetzung des Firmennamens, das Umschlagdesigns, die Wahl der Typographie und der Farbe, die Einführung eines Firmenlogos und eine Reihe von Public-Relations-Aktivitäten. Zusammengenommen können sie zugleich als Symptome eines allgemeinen Wandels in den Produktions- und Legitimationsverfahren des modernen Wissens analysiert werden. Das heißt: Mit seinen Gestaltungsstrategien steht der Verlag am Anfang einer Entwicklung, die Markenbildungen in wissenschaftliche Arbeitsprozesse eingeführt hat. Als Naming, Branding, Corporate Design oder Labelling stellen sie seither und bis heute prägende Eigenschaften des Wissenschaftsbetriebes dar.


Projektleitung: Dr. Christof Windgätter (Universität Wien/Hochschule der Künste Bern).

 

Gefördert durch: Kulturamt der Stadt Wien (MA 7), Abteilung für Wissenschaft und Forschung.

 

Downloads:

Christof Windgätter:  Ansichtssachen. Zur Typographie- und Farbpolitik des Internationalen
Psychoanalytischen Verlages (1919–1938). In: Typographie und Literatur. Beihefte zu TEXT. Kritische Beiträge 1 (2010)
(pdf, 2,69 MB)

Christof Windgätter: Zu den Akten. Verlags- und Wissenschaftsstrategien der frühen
Wiener Psychoanalyse. In: Ber. Wissenschaftsgesch. 32 (2009), 246–274
(pdf, 3,96 MB)