Angst: Sigmund-Freud-Vorlesungen 2009
Angst ist eine existenzielle Grunderfahrung des Menschen. Als ein „Ur–Affekt“ ist sie an der Schnittstelle von Soma und Psyche, immer im Körperlichen verankert, Ausdruck schon frühester psychischer Aktivität. Die Bewältigung und Transformierung dieses Affektes ist ein großer Motivator für die individuelle wie zivilisatorische Entwicklung.
Die Psychoanalyse hat sich der Angst in ihrem Verhältnis zum Triebleben angenähert. Als Signalangst kommt ihr eine Schutzfunktion gegen äußere Gefahr wie gegen Triebüberflutung zu, im Zustand der „namenlosen Angst“ kommt das Triebleben zum Erliegen, als Angstlust kann sie selbst zur Quelle von Triebbefriedigung werden.
Den vielfältigen Erscheinungsformen von Angst und ihrer Abwehr kommt eine zentrale Rolle in allen psychopathologischen und kulturellen Prozessen zu.
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