Psynema 2011-12: Bad Taste

Unter dem Motto bad taste lädt die Reihe psynema – Licht in dunklen Räumen – zu Filmdiskussionsabenden ein. Nach dem gemeinsamen Filmsehen gibt es – angeregt durch kurze Inputs aus den Bereichen Psychoanalyse und Filmtheorie – die Möglichkeit zur Diskussion. Mit dem Einsatz des Geschmacksbegriffs als allgemeines ästhetisches Kriterium scheint sich das
Orale als der Ursprung aller Urteile über das Schöne, Wahre und Gute zu erweisen. Diesem mit dem Modus von Einverleibung und Ausstoßung operierenden oralen Triebkomplex ist aber auch der Schautrieb korreliert, der in sublimierter Fassung mit dem von Glanz erfüllten Blickkontakt den primären Bedürfnisbefriedigungen des Kindes eine Begehrensdimension hinzufügt. Das Begehren zu sehen ebenso wie der Wunsch, das Begehren zu sehen, entspricht somit einem Appetit des Auges, welchen die Kinematographie in privilegierter Weise immer schon bedient hat. Fast selbstverständlich nimmt dabei der gute Geschmack sowohl auf Seiten des Publikums als auch auf Seiten der Schauprodukte eine Vorrangstellung ein.


Im Gegensatz dazu wollen wir uns mit diesem Teil der Reihe psynema dem schlechten Geschmack im Kino widmen, wobei Filme zu sehen sein werden, die zum Teil unfreiwillig, zum Teil absichtsvoll und ironisch bis satirisch einen Platz jenseits des good taste für sich beanspruchen dürfen.
A. Ruhs

 

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