FREUD – Der Vorlesungszyklus (Semester 3)

Erstmals im Sigmund Freud Museum
Berggasse 19, 1090 Wien

In vier Semestern mit je rund 10 Vorlesungen widmet sich die Wiener Psychoanalytische Akademie ausschließlich dem Werk Sigmund Freuds, der zweifelsfrei zu den prägendsten Denkern des 20. Jahrhunderts zählt.
Die Termine der Folgesemester werden jeweils rechtzeitig bekanntgegeben.
ACHTUNG: Reduzierter Preis auch für StudentInnen der Universität Wien.

Semester 3:

21. Vorlesung: 1. März (Sabine Schlüter)
Die Psychoanalyse als Therapie: Übertragung und Behandlungstechnik

Je besser Freud das unbewusste Kräftespiel verstehen lernt, desto größer wird auch sein Verständnis dafür, was zwischen ihm und seinen Patient*innen vorgeht. Er bemerkt er, dass sie sich in ihn verlieben, ihn bewundern, hassen oder mit ihm konkurrieren. Er erkennt aber auch, dass diese Regungen eigentlich nicht ihm gelten, sondern jemandem aus der Vergangenheit des oder der Betreffenden: Das Konzept der Übertragung ist geboren. Außerdem gewinnt er zunehmend Klarheit darüber, wie er die Behandlung anlegen muss, damit sie wirksam wird. Was ist Übertragung? Warum liegen Freuds Patient*innen auf der Couch? Warum sind Analytiker*innen so zurückhaltend? Und warum dauern Psychoanalysen so lange?

22. Vorlesung: 8. März (Georg Augusta)
Zwangsneurose 1: Der „Rattenmann“ (Freud, 1909d)

Im Jahr 1907 wird Freud von einem Mann aufgesucht, der an einer Vielzahl von Zwangssymptomen leidet: Er fühlt sich zur Befolgung verschiedener Gebote und Verbote gezwungen, die scheinbar keinen Sinn ergeben, und befürchtet, seinem Vater und seiner Geliebten könnte etwas zustoßen. Am meisten fürchtet er die bizarre Vorstellung, Ratten könnten sich in seinen Körper hineinfressen. Gerade diese Vorstellung ist es, die es Freud ermöglichte, das Rätsel um die seltsamen Symptome jenes Patienten zu lüften, der als „Rattenmann“ in die Geschichte der Psychoanalyse einging.

23. Vorlesung: 22. März (Georg Augusta)
Zwangsneurose 2: Disposition, Triebentwicklung, Charakter

Die Analyse des „Rattenmannes“ verschafft Freud Erkenntnisse, welche die psychoanalytische Theorie enorm bereichern. Zunächst versteht er, dass aus dem Konflikt von Schreck und Lust, Liebe und Hass etwas entsteht, das charakteristisch für alle Zwangserkrankungen ist: die Ambivalenz – das Gegeneinander widersprechender Gefühle. Die Symptome des „Rattenmannes“ haben ihren Ausgangspunkt aber auch in der infantilen Sexualität. Das eröffnet Zusammenhänge, die sich nicht nur auf Zwangserkrankungen beschränken, sondern einen bestimmten Charaktertyp betreffen. Warum treten die Eigenschaften Sauberkeit, Ordentlichkeit, Eigensinn und Geiz so oft miteinander auf? Was ist ein analer Charakter? Und was haben Zwangshandlungen mit Religion zu tun?

24. Vorlesung: 12. April (Sabine Schlüter)
Narzissmus: Ich und du ICH

Die Theorieentwicklung der Psychoanalyse steht in ihrer Hochblüte: Der kunstaffine, vielseitig interessierte Freud analysiert die verschiedensten Phänomene aus Kunst, Literatur, Ethnologie, Religion und natürlich Psychologie. Im Jahr 1914 stellt er Überlegungen an, die sich zu einem Meilenstein der Psychoanalyse entwickeln: Das Konzept des Narzissmus wird geboren. Was ist Narzissmus eigentlich wirklich? Ist etwas schiefgegangen, wenn man „narzisstisch“ ist? Ist Narzissmus ein Symptom? Oder eine Charakterschwäche? Ist Narzissmus das gleiche wie Selbstliebe? Man fragt sich, ob hier nicht wieder ein Stück Sexualität dahintersteckt …

25. Vorlesung: 19. April (Victor Blüml)
Metapsychologie 1: Lust und Realität

Während Freud der jungen Psychoanalyse Erkenntnis um Erkenntnis hinzufügt, wächst in ihm das Bedürfnis, seine Gedankengänge zu sortieren: die Phase der theoretischen Ausarbeitung beginnt. Von konkreten Phänomenen schließt er auf allgemeingültige Zusammenhänge. Er überlegt sich vor, wie die Psyche gebaut sein muss, und gibt den einzelnen Elementen dieses Baus Namen – die „Metapsychologie“ ist geboren. In dieser Vorlesung geht es um (innere) Lust und (äußere) Realität: Warum führt der Weg in die Realität immer zuerst über die Phantasie? Was ist ein Lust-Ich und was ein Real-Ich? Was ist Denken? Und wie entsteht das Bewusstsein?

26. Vorlesung: 26. April (Victor Blüml)
Metapsychologie 2: Das Unbewusste

Wenn Freud die Bereiche „Bewusstes“, „Vorbewusstes“ und „Unbewusstes“ unterscheidet, so ist das Unbewusste gewiss die seltsamste Örtlichkeit von den dreien. Ein wenig gleicht es dem Wunderland, in dem Alice landet, während sie dem Hasen folgt: Logik ist darin unbekannt, Widersprüche existieren nicht, selbst das „Nein“ ist dort fremd. Die Lust ist im Unbewussten allmächtig. Doch wenn das Unbewusste so ganz anders ist als das Bewusstsein – wie wird dann etwas Unbewusstes bewusst? Steigt das Bewusste zum Unbewussten herunter oder klettert das Unbewusste zum Bewussten hinauf? Gibt es unbewusste Gefühle? Und werden Erinnerungen wirklich vergessen – oder existieren sie im Unbewussten weiter?

27. Vorlesung: 17. Mai (Sabine Schlüter)
Metapsychologie 3: Der Trieb, sein Schicksal und die Verdrängung

Im Jahr 1915 macht sich Freud daran, die grundlegenden Themen der Psychoanalyse systematisch abzuhandeln. Seine Schriften zum Trieb, zur Verdrängung und zum Unbewussten werden zu Klassikern der psychoanalytischen Theorie. Wie sind die Triebe beschaffen? Wie entwickeln sie sich im Laufe des Lebens? Wie ist ihre Beziehung zu Liebe, Lust und Hass? Warum werden sie verdrängt? Was ist Verdrängung eigentlich genau? Was passiert dabei? Und warum klappt Verdrängung manchmal – und manchmal nicht?

28. Vorlesung: 24. Mai (Sabine Schlüter)
Die verschlungenen Wege der Symptombildung

Eine misslungene Verdrängung erkennt man an ihren Folgen: den Symptomen. Doch die Symptombildung ist ein komplizierter Vorgang, bei dem Ichtriebe und Sexualtriebe aufeinanderprallen oder Libido und Ich-Entwicklung ganz verschiedene Wege gehen können. Was versteht man unter all diesen komplizierten Begriffen? Kann sich die Libido denn überhaupt anders entwickeln als das Ich? Was ist damit gemeint? Was ist Fixierung, was Regression? Und wie verläuft die Symptombildung typischerweise?

29. Vorlesung: 7. Juni (Rainer Gross)
Trieb und Kultur

Obwohl Freud nie behauptete, man solle seine Sexualität schrankenlos ausleben, wurde er dennoch für die Kritik an der Sexualmoral seiner Zeit bekannt. In sehr unkonventioneller Weise überlegt er, welche Folgen übermäßige sexuelle Einschränkung hat und entwickelt ein eigenes psychoanalytisches Verständnis von der Kultur. Was denkt Freud über den zivilisierten Menschen? Macht die Kultur den Menschen glücklich? Warum gibt es Kriege? Wird es sie immer geben? Und kann man die menschliche Aggression ausrotten?

30. Vorlesung: 14. Juni (Sabine Schlüter)
Religion

Bei der Untersuchung der Zwangsneurose ist Freud auf Parallelen zwischen Zwangssymptomen und religiösen Riten gestoßen. So wird er darauf aufmerksam, dass Abwehrmechanismen nicht nur etwas Persönliches sind – auch die gesellschaftlichen Institutionen, ja, die ganze menschliche Kultur kann man als Abwehr gegen die Forderungen der Triebe verstehen. Die Analyse des Phänomens „Religion“ fördert überraschende Bedeutungen zu Tage. Welche Bedürfnisse verbergen sich hinter der Religion? Warum schaffen wir uns Götter und was drängt uns, an sie zu glauben? Welche gesellschaftliche Funktion erfüllt die Religion? Und hat sie eine Zukunft?

Foto von Sigmund Freud zur Lehrveranstaltung Freud - Der Vorlesungszyklus
Wir freuen uns auf ihre Anmeldung!
Veranstalter:  Wiener Psychoanalytische Akademie (WPA)
Zielgruppe: Interessierte an Psychoanalyse
Programmleitung: Sabine Schlüter
Referenten: Sabine Schlüter, Georg Augusta, Victor Blüml, Rainer Gross
Preis der Veranstaltung: EUR 290,00
Reduzierter Preis: EUR 145,00
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