Freud - Der Online-Zyklus (2. Semester)
In vier Semestern mit je 10 ZOOM-Vorlesungen widmet sich die Wiener Psychoanalytische Akademie dem Werk Sigmund Freuds. Die von ihm geschaffenen Grundlagen bilden immer noch das Fundament der Psychoanalyse – seine Theorie des Menschen machte ihn darüber hinaus zu einem der prägendsten Denker des 20. Jahrhunderts.
Dieser Zyklus ist ein Pflichttermin für alle, die in das Wirken des Begründers der Psychoanalyse eintauchen und dabei auch gesellschaftliche Kontexte im Blick behalten wollen.
Auf vielfache Nachfrage gibt es den FREUD Zyklus nun erstmals in einer Online-Variante.
Die Termine für die folgenden Semester werden jeweils ca. 2 Monate vor Semesterstart bekanntgegeben.
Preise:
Preis pro Semester: EUR 290,00
Reduzierter Preis pro Semester: EUR 175,00
Semester 2: Sexualtheorie – Ödipuskomplex – Vatermord
Freud lauscht den Erzählungen seiner Patient*innen mit größtem Interesse. Unbedingtes Verständnis für sie und für alles, was sie bewegt, was sie fürchten, was ihnen Lust bereitet und wofür sie sich schämen, verschafft ihm nicht nur ihr Vertrauen, sondern auch Einblick in ihre intimsten Phantasien. Er findet Zusammenhänge und Gesetzmäßigkeiten, die ein grundlegend neues Verständnis von Sexualität nahelegen, und er behauptet, dass auch Kinder ausgeprägte sexuelle Empfindungen haben. So stellt Freud die psychiatrischen und sexualtheoretischen Konzepte seiner Zeit auf den Kopf und ruft dadurch einen handfesten Skandal hervor.
11. Vorlesung: 27. Februar (Franz Oberlehner)
Drei Abhandlungen zur Sexualtheorie 1: Perversion, Autoerotik und erogene Zonen
Zunächst wirft Freud alle konventionellen Ansichten über die sogenannte Normalität um und zeigt, dass es eine durchgehende Entwicklungslinie zwischen der kindlichen (infantilen) Sexualität, der Neurose und der Perversion gibt. Deren Grundlage, so behauptet er, sind kindliche Lusterlebnisse. Dadurch befreit er die Perversion ein Stück weit von ihrer „Abartigkeit“ und bringt sie in geradezu gefährliche Nähe zu dem, was man sich unter „normaler“ Sexualität vorstellt. Doch wie kam Freud darauf, so etwas zu behaupten? Wie entdeckte er die infantile Sexualität und was versteht er überhaupt darunter? Was bedeuten die Begriffe „erogene Zonen“ und „Autoerotik“? Auf welche Weise regulieren Ekel, Scham und Moral die Sexualität? Und wie hängen Verdrängung und Fixierung zusammen?
12. Vorlesung: 6. März (Franz Oberlehner)
Drei Abhandlungen zur Sexualtheorie 2: Infantile Sexualität
Aus den Kindheitserinnerungen seiner Patient*innen erfährt Freud viel über die Wurzeln der infantilen Sexualität. Er differenziert verschiedene Entwicklungsphasen (oral, anal, genital) und entdeckt, dass sie den Charakter prägen, d.h. bestimmte Eigenschaften formen. Er beginnt zu verstehen, dass kindliche Sexualität viel weniger einheitlich ist als erwachsene Sexualität und unterscheidet daher verschiedene Arten des Lusterlebens: der Begriff „Partialtriebe“ ist geboren. Doch wie entsteht aus der Vielfalt der Partialtriebe die Sexualität der Erwachsenen?
13. Vorlesung: 13. März (Franz Oberlehner)
Drei Abhandlungen zur Sexualtheorie 3: Pubertät
In der Pubertät wird die infantile nun zur individuellen, erwachsenen Sexualität ausgestaltet, und die körperliche Reifung schafft die Möglichkeit, genitale Sexualität und intime Beziehungen zu leben. Doch das bringt Komplikationen mit sich, und Freud kommt zu dem Schluss, dass Sexualität weit über körperliche Funktionen hinausgeht: Sexualität bedeutet eigentlich Psychosexualität. Das Schwierige jedoch ist: Autoerotismus und kindlicher Narzissmus haben Spuren hinterlassen – wir begehren nicht nur andere Menschen, sondern auch unsere Eltern und uns selbst. Auf welche Weise beeinflussen – und stören! – diese Leidenschaften einander? Welche Komponenten sind daran beteiligt, dass wir lieben und begehren können?
14. Vorlesung: 20. März (Andreas Mittermayr)
Der Ödipuskomplex 1: Entdeckung
Freud hat Verliebtheit in seine Mutter und Rivalität mit seinem Vater in der eigenen (Selbst-)Analyse und auch bei seinen Patient*innen gefunden. Der Ödipuskomplex gilt ihm bald als Kernkomplex der Psychoanalyse. Von allem Anfang an verknüpft er die gleichermaßen erotischen wie aggressiven Erfahrungen des kleinen Kindes mit Motiven aus Sophokles’ Tragödie Œdipus Rex. Es dauert freilich noch mehr als zwei Jahrzehnte bis zur Formulierung des gesamten Konzepts, das Freud eng mit dem Kastrationskomplex verbunden sieht und ins Zentrum seiner Neurosenlehre stellt. Wie entdeckt Freud den Ödipuskomplex? Welche Rolle spielt er bei der Entstehung der Neurosen? Und welche Erweiterungen und theoretischen Umarbeitungen dieses Konzepts werden im Laufe der Zeit notwendig?
15. Vorlesung: 27. März (Andreas Mittermayr)
Der Ödipuskomplex 2: Die Entstehung der Kultur – erfolgreiche und erfolglose Vatermörder
Den Ödipuskomplex sieht Freud auch bei der Entstehung der Kultur am Werk, insbesondere die Phantasie, den eigenen Vater zu töten. Das Thema des Vatermords ist ihm zentral und reicht von der ersten Erwähnung der Ödipus-Sage und der Interpretation des Hamlet (in der „Traumdeutung“, 1900) bis zum „Mann Moses und die monotheistische Religion“ (1939); der Vatermord bleibt Freud auch Dreh- und Angelpunkt zum Verständnis der Entstehung von Religion, Sittlichkeit und Gesetz. Darüber hinaus sieht er in ihm die Quelle des Schuldbewusstseins. Welche sind die prominentesten Vatermörder in Freuds Werk und was lehren sie uns? Welche Folgen hat der Vatermord für Individuum und Kultur? Sind Texte wie „Totem und Tabu“ oder „Dostojewski und die Vatertötung“ überhaupt noch zeitgemäß? Was könnten sie für unser Verständnis von Kultur und Vatermord leisten? Und schließlich: Wo bleiben die Muttermörder*innen?
16. Vorlesung: 10. April (Andreas Mittermayr)
Der Ödipuskomplex 3: Fortschreibungen, Anti- und Post-Ödipus
Der Ödipuskomplex hat innerhalb der Psychoanalyse den Platz des zentralen Konflikts erobert, um den jede Form der (binär gedachten) geschlechtlichen Entwicklung kreist. Doch nicht lange nach dieser Eroberung beginnen Freuds Schüler*innen, das Ödipus-Konzept auseinanderzunehmen, ja geradezu auf den Kopf zu stellen. Sie behaupten, der Ödipuskomplex setze viel früher ein als bisher angenommen, analysieren Freuds eigenen, männlich konnotierten Blickpunkt und rücken die weibliche Sexualität in den Fokus. Es kommen Fragen auf, die weit in andere Disziplinen reichen, z.B.: Ist der Ödipuskomplex immer und überall geeignet, die psychosexuelle Entwicklung verständlich zu machen? Braucht die aktuelle Bandbreite des Verständnisses von Geschlecht nicht vor allem andere Konzepte? Ist der Ödipuskomplex ein zeit- und kulturgebundener Traum Freuds? Wie werden normierende und biologisierende Aspekte des Ödipuskomplexes heute gesehen? Die Geschichte des Ödipuskomplexes wird vom Anti-Ödipus begleitet.
17. Vorlesung: 17. April (Sabine Schlüter)
Über das Liebesleben
Nachdem Freud in den „Drei Abhandlungen“ die Entwicklung der Sexualität vom Säuglingsalter bis ins Erwachsenenleben skizziert hat, bleiben immer noch viele Besonderheiten und Rätsel rund um Phänomene der Sexualität offen. In seinen „Beiträgen zur Psychologie des Liebeslebens“ widmet Freud sich der psychischen Seite der Sexualität – der Liebe – und denkt über Besonderheiten nach, die uns im Jar 2026 genauso beschäftigen wie hundert Jahre zuvor. Wie kommt es z.B., dass es manchmal so schwierig ist, (dauerhafte) Liebe mit Sexualität zu verbinden? Welche Bedeutung hat die erste sexuelle Erfahrung speziell für Frauen? Und welche Typen von „Liebhaber*innen“ gibt es?
18. Vorlesung: 24. April (Sabine Schlüter)
Sexualität und Phantasie
Dass Sexualität eigentlich „Psychosexualität“ ist und mit einer Reihe typischer Phantasien einhergeht, hat Freud in seiner Arbeit mit hysterischen Patient*innen schon sehr früh festgestellt. Nun macht er sich daran, diese Phantasien, die nicht nur um verschiedene Formen des Lustgewinns, sondern auch um Fragen der Entstehung von Kindern kreisen, festzuhalten und ihre Beziehung zu neurotischen Erkrankungen zu untersuchen. Welche unbewussten Sexualphantasien findet Freud? Wie formen sie unser bewusstes Leben und unsere Fähigkeit, Beziehungen zu führen, zu genießen oder darunter zu leiden? Spielt der Ödipuskomplex dabei eine Rolle? Und wie äußert sich Freud zu so heiklen Themen, wie es die Aufklärung von Kindern und die Debatte rund um die verpönte Onanie sind?
19. Vorlesung: 29. Mai (Sabine Schlüter)
Die Symptombildung
Der Fundus an Erkenntnissen darüber, wie neurotische Erkrankungen zustande kommen, ist seit den ersten psychoanalytischen Einsichten gewaltig angewachsen. Doch was genau in der Psyche vorgehen muss, damit ein Symptom sich bilden kann, das ist gar nicht so leicht zu verstehen. Diesen überaus komplizierten Mechanismus legt Freud in seinen „Vorlesungen zur Einführung in die Psychoanalyse“, die er ab etwa 1900 hielt, so klar dar wie sonst nirgendwo in seinem Werk. Wer dachte, es gehe so einfach zu, dass er*sie dieses oder jenes Symptom habe, weil er*sie in der Kindheit dieses oder jenes erlebte, wird dabei rasch eines Besseren belehrt. Was ist notwendig, damit sich ein Symptom bildet? Welche Prozesse werden dabei wirksam? Welche Rolle spielen Veranlagung und Umweltfaktoren? Und warum tauchen Symptome manchmal erst Jahrzehnte nach dem sie veranlassenden Ereignis auf?
20. Vorlesung: 12. Juni (Andreas Mittermayr)
Das Unheimliche
Freuds Artikel über „Das Unheimliche“ (1919) ist besonders in den Kunst- und Kulturwissenschaften immer noch viel rezipiert. Der Text ist eine Literaturanalyse von E.T.A. Hoffmanns Erzählung „Der Sandmann“ und gleichzeitig eine Abhandlung über einen äußerst merkwürdigen, jedoch uns allen bekannten Zustand: Das Unheimliche hat mit seinem Gegensatz, dem Heimlichen oder Heimeligen, mehr zu tun, als es zunächst scheint. Was ist es, das uns in der unheimlichen Erfahrung erfasst? Wie kann etwas Altbekanntes, Vertrautes zu etwas Unheimlichem werden? Was lernen wir dabei über die Verdrängung? Spielt der Ödipuskomplex auch hier eine Rolle? Und was ist das Spannende an der Rezeptionsgeschichte dieses Textes?
Lehrende
Andreas Mittermayr, MMag. MA
ist Psychoanalytiker und Lehranalytiker (WPV/IPA), dzt. stv. Vorsitzender der Wiener Psychoanalytischen Vereinigung, Co-Departmentleiter für Theorie und Wissenschaft der Wiener Psychoanalytischen Akademie; Herausgeber für Österreich der Zeitschrift für psychoanalytische Theorie und Praxis (ZpTP) (Klostermann); Lehrtätigkeit in WPV und WPAk, rege Vortrags- und Publikationstätigkeit, zuletzt: Die Kreativität des Unbewussten (Hg. zus. mit S. Zwettler-Otte), Psychosozial, 2024; In Kafkas Haut, ZpTP 3/2024; Der Exzess der Interpretation, texte 2025 (im Druck).
Franz Oberlehner, Dr.
Ist klinischer Psychologe, Psychoanalytiker und IPV-Lehranalytiker im Wiener Arbeitskreis für Psychoanalyse (von 2013 bis 2015 Leitung der Ausbildungskommission). In der Wiener Psychoanalytischen Akademie unterrichtet er als Lehrtherapeut und Supervisor für Psychoanalytisch orientierten Psychotherapie (PoP) und zu kulturtheoretischen und sozialpsychologischen Themen. Letzte Veröffentlichungen: Körperaugmentierung und Wirklichkeitssinn (in: Grabska et al.: Virtuelle Berührung – zersplitternde Realität. Zur Psychoanalyse von Digitalisierung und Internetkultur. Psychosozial, 2023); Gibt es die Normalpsychose? (Sigmund-Freud-Vorlesungen, 2023); Vertauschung von Subjektivem und Objektivem als Kern des Narzissmus-Konzeptes (ZpTP 2/2024).
Sabine Schlüter, Mag.
ist Historikerin, Psychoanalytikerin und Lehranalytikerin (WAP/IPA) und seit 2023 Mitglied der Ausbildungskommission, Co-Departmentleiterin für Theorie und Wissenschaft der Wiener Psychoanalytischen Akademie. Lehrtätigkeit in WAP und WPAk, rege Vortrags- und Publikationstätigkeit, zuletzt: Macht. Sigmund-Freud-Vorlesungen 2024 (Hg. zus. mit R. Gross), Brandes & Apsel, 2025.
Semester 3: Fallgeschichten, klinische Theorien und Metapsychologie
Semester 4: Umwälzungen der Theorie
Ort:
online per Zoom
Zeit:
jeweils 17:00 - 18:30

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| Veranstalter: | Wiener Psychoanalytische Akademie (WPA) |
| Zielgruppe: | Interessierte an Psychoanalyse |
| Programmleitung: | Mag. Sabine Schlüter |
| Preis der Veranstaltung: | EUR 290,00 |
| Reduzierter Preis: | EUR 175,00 |
| Termine: |
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