Psychoanalytisch orientierte Traumabehandlung 2027

Fortbildung für Psychoanalytiker*innen, Psychoanalytiker*innen i.A.u.S., PoP Psychotherapeut*innen, PoP Psychotherapeut*innen i.A.u.S., Psychotherapeut*innen anderer Schulen, Klinische Psycholog*innen, Ärzt*innen mit PSY III-Diplom

Ziel dieser Fortbildung ist es, den Beitrag der Psychoanalyse für die Behandlung von (schwer) Traumatisierten zu bestimmen.
In 10 Modulen mit je 8 AE werden grundlegende Begriffe und Konzepte dargestellt. Der Schwerpunkt liegt in der klinischen Darstellung (Fallbesprechungen, eventuell Rollenspiele) und in einer plastischen Vermittlung der Inhalte mittels Film und Literatur.
In jedem Modul werden 6 AE der Theorie bzw. Klinik gewidmet und jeweils 2 AE sind für Fallsupervisionen reserviert.
Bei/vor jeder Fortbildung erhalten die Teilnehmer*innen ein Skriptum der Vortragenden.

Ort: Wiener Psychoanalytische Akademie, Salzgries 16/5a, 1010 Wien
Teilnehmer*innenzahl: 16- 20 Personen

Anmeldefrist: 14.12.2026

Inhalt der einzelnen Module

Modul 1:
Einführung in die Psychotraumatologie
09.01.2027
Leitung: Wilhelm Burian, Bettina Jordan, Angelika Breser

Am Beginn dieses Seminars geht es um ein wechselseitiges Kennenlernen und einen Austausch von Erwartungen das Curriculum betreffend. Danach erfolgt eine inhaltliche Einführung mittels Diskussionen in der Gruppe und eine Präsentation der wichtigen und allgemein üblichen Begriffe und Definitionen der Psychotraumatologie.

Modul 2:
Psychoanalytische Traumatheorien
27.02.2027
Leitung: Fritz Lackinger

Das Trauma war in der Entwicklung der Freud´sche Lehre vom Beginn an ein zentrales Thema. Die Aufgabe der sogenannten „Verführungstheorie“ durch Freud ermöglichte die Entdeckung der infantilen Sexualität und des Ödipuskomplexes. Ferenczi war der Erste, der das Trauma als Beziehungsereignis beschrieb und damit vielfältige Perspektiven auf die Wirkung infantiler Traumata für die Entwicklung der psychischen Strukturen eröffnete. In jüngerer Zeit werden Beziehungstraumata mit der Verstärkung paranoid-spaltender Mechanismen und mit der Blockierung von Mentalisierungs- und Symbolisierungsprozessen verbunden.
Das Modul versucht einen Überblick über diese Theorieentwicklung zu geben und anhand von Beispielen die klinische Brauchbarkeit von theoretischen Konzepten zu untersuchen.

Modul 3:
Psychobiologie des Traumas
06.03.2027
Leitung: Fritz Lackinger

Die kognitiven Neurowissenschaften haben in den letzten 20 Jahren eine Unzahl von neurobiologischen und kognitionswissenschaftlichen Erkenntnissen zusammengetragen, die auch die psychoanalytischen Konzepte herausfordern. In diesem Modul werden die zentralen Befunde dieser Forschung vorgestellt und ihre Relevanz für das psychoanalytische Denken untersucht. Anhand eines kurzen Beispiels wird gefragt, was die klinisch-praktische Bedeutung dieser Debatten ist.

Modul 4:
Trauma- Übertragung, Gegenübertragung
17.04.2027
Leitung: Wolfgang Till

In diesem Modul wird - sowohl theoretisch als auch anhand von Fällen und Fallvignetten - thematisiert, wie Traumatisierungen in speziellen Übertragungs-Gegenübertragungskonstellationen ihren Niederschlag finden können. Traumatisierungen können so besser verstehbar und bearbeitbar werden. Weiters sollen die speziellen Herausforderungen für die Gegenübertragung, die die Arbeit mit Traumatisierten bedeutet, diskutiert werden.

Modul 5:
Traumatisierung durch Krieg und Verfolgung
15.05.2027
Leitung: Wilhelm Burian, Bettina Jordan

Am Beispiel des Filmes “ Hitlerjunge Salomon“ von Agneshka Holland erleben wir die Identitätsentwicklung von Sally. Diese Entwicklung beginnt im Film mit der Trennung von seiner Familie, über seine sowjetische Umerziehung und seinen Weg als „Ost- Deutscher“ in die HJ und endet mit dem Wiederfinden seines Bruders und seiner Übersiedlung nach Israel. Die Auswirkungen dieser traumatischen Veränderungen auf seine Identität werden erörtert.

Modul 6:
Massives Trauma: Transgenerationale Weitergabe des Holocaust
05.06.2027
Leitung: Wilhelm Burian, Bettina Jordan

Der Holocaust als historische Katastrophe verursachte Extremtraumatisierungen, kollektives Trauma, transgenerationale Weitergabe u.v.a. Das Phänomen Holocaust erforderte die Entwicklung von Theorien sowie den Versuch angemessene Behandlungsangebote zu entwickeln.
In diesem Modul werden wir uns anhand der autobiographischen Graphic Novel „Zweite Generation. Was ich meinen Vater nie gesagt habe“ von Michel Klichka, Egmont Verlag 2014, mit einer sehr persönlichen Geschichte beschäftigen. In dieser wird die transgenerationale Weitergabe von massiven Traumata in der 1. und 2. Generation sichtbar.

Modul 7:
Behandlung traumatisierter Kinder
18.09.2027
Leitung: Karin Lebersorger

Vorstellung verschiedener Kategorien von Trauma im Kindesalter. Psychodynamik der altersspezifischen Abwehr- und Verarbeitungsmöglichkeiten, transgenerationale Weitergabe von Trauma, traumatisierende Übertragung und ihre Bedeutung für die Übertragungs- Gegenübertragungsdynamik.
Anhand klinischer Fallvignetten werden die psychotherapeutische Arbeit mit Kindern, Eltern und Bezugspersonen dargestellt sowie behandlungstechnische Fragen erörtert.

Modul 8:
Akuttraumatisierungen
23.10.2027
Leitung: Wolfgang Till

Akuttraumatisierungen sind in den letzten Jahren in der öffentlichen Diskussion sehr präsent. Dabei werden meist möglichst frühzeitige therapeutische Hilfestellungen aus präventiven Überlegungen empfohlen. Es soll hier versucht werden die innere Situation akut Traumatisierter psychoanalytisch zu verstehen und zu überprüfen, inwieweit psychoanalytisches Handeln in diesen Situationen in modifizierter Weise möglich ist.
Methoden: Erarbeiten der Theorie, Rollenspiel, ev. Fallarbeit.

Modul 9:
Sexualisierte Gewalt und Trauma
06.11.2027
Leitung: Esther Hutfless, Angelika Breser

Das Modul beschäftigt sich mit den psychischen Folgen von erlebter sexualisierter Gewalt sowohl im Kindes- als auch im Erwachsenenalter am Beispiel von sexuellem Kindesmissbrauch und Vergewaltigung. 
Ausgehend von einem kurzen Überblick über die Geschichte psychoanalytischer Zugänge zum Thema, wird der Frage nachgegangen, welche Anforderungen Traumata durch sexualisierte Gewalt an psychoanalytischen Therapien stellen. Mit welcher Psychodynamik, mit welchem Übertragungsgeschehen konfrontieren uns durch sexualisierte Gewalt traumatisierte Patient*innen? Welche Unterschiede in der Psychodynamik und in den Bearbeitungsmöglichkeiten gibt es bei unterschiedlichen Arten sexualisierter Gewalt? Was kann eine Veröffentlichung von Gewalterfahrungen bewirken? Im Modul greifen wir auf Fallbeispiele der Teilnehmer*innen und der Vortragenden zurück.

Modul 10:
11.12.2027
Leitung: Wilhelm Burian, Bettina Jordan, Angelika Breser


1.Teil: Diagnosen und Anträge an die Krankenkassen
In diesem Teil werden wir uns konkret mit der Diagnosestellung und möglichen Formulierungen von Kassenanträgen auseinandersetzen. Anschauungsbeispiele werden diskutiert.

2.Teil: Abschluss des Lehrgangs
In diesem Teil wird eine Zusammenfassung und Zusammenschau der Inhalte des Curriculums stattfinden. Überdies wird es Raum und Zeit geben, um die Zusammenarbeit der Gruppe abzuschließen.

Supervisionen:
Bei jedem Modul werden 2 AE für Supervision reserviert, in ein oder 2 Gruppen aufgeteilt.

Ankündigungsbild erstellt mit Canva AI