Freud - Der Online-Zyklus (3. Semester)
In vier Semestern mit je 10 ZOOM-Vorlesungen widmet sich die Wiener Psychoanalytische Akademie dem Werk Sigmund Freuds. Die von ihm geschaffenen Grundlagen bilden immer noch das Fundament der Psychoanalyse – seine Theorie des Menschen machte ihn darüber hinaus zu einem der prägendsten Denker des 20. Jahrhunderts.
Dieser Zyklus ist ein Pflichttermin für alle, die in das Wirken des Begründers der Psychoanalyse eintauchen und dabei auch gesellschaftliche Kontexte im Blick behalten wollen.
Auf vielfache Nachfrage gibt es den FREUD Zyklus nun in einer Online-Variante.
Die Termine für die folgenden Semester werden jeweils ca. 2 Monate vor Semesterstart bekanntgegeben.
Preise:
Preis pro Semester: EUR 290,00
Reduzierter Preis pro Semester: EUR 175,00
Semester 3: Klinische Theorie und Metapsychologie
21. Vorlesung: 2. Oktober (Sabine Schlüter)
Die Psychoanalyse als Therapie: Übertragung und Behandlungstechnik
Je besser Freud das unbewusste Kräftespiel verstehen lernt, desto größer wird auch sein Verständnis dafür, was zwischen ihm und seinen Patient*innen vorgeht. Er bemerkt er, dass sie sich in ihn verlieben, ihn bewundern, hassen oder mit ihm konkurrieren. Er erkennt aber auch, dass diese Regungen eigentlich nicht ihm gelten, sondern jemandem aus der Vergangenheit des oder der Betreffenden: Das Konzept der Übertragung ist geboren. Außerdem gewinnt er zunehmend Klarheit darüber, wie er die Behandlung anlegen muss, damit sie wirksam wird. Was ist Übertragung? Warum liegen Freuds Patient*innen auf der Couch? Warum sind Analytiker*innen so zurückhaltend? Und warum dauern Psychoanalysen so lange?
22. Vorlesung: 9. Oktober (Franz Oberlehner)
Zwangsneurose 1: Der „Rattenmann“ (Freud, 1909d)
Im Jahr 1907 wird Freud von einem Mann aufgesucht, der an einer Vielzahl von Zwangssymptomen leidet: Er fühlt sich zur Befolgung verschiedener Gebote und Verbote gezwungen, die scheinbar keinen Sinn ergeben, und befürchtet, seinem Vater und seiner Geliebten könnte etwas zustoßen. Am meisten fürchtet er die bizarre Vorstellung, Ratten könnten sich in seinen Körper hineinfressen. Gerade diese Vorstellung ist es, die es Freud ermöglichte, das Rätsel um die seltsamen Symptome jenes Patienten zu lüften, der als „Rattenmann“ in die Geschichte der Psychoanalyse einging.
23. Vorlesung: 16. Oktober (Franz Oberlehner)
Zwangsneurose 2: Disposition, Triebentwicklung, Charakter
Die Analyse des „Rattenmannes“ verschafft Freud Erkenntnisse, welche die psychoanalytische Theorie enorm bereichern. Zunächst versteht er, dass aus dem Konflikt von Schreck und Lust, Liebe und Hass etwas entsteht, das charakteristisch für alle Zwangserkrankungen ist: die Ambivalenz – das Gegeneinander widersprechender Gefühle. Die Symptome des „Rattenmannes“ haben ihren Ausgangspunkt aber auch in der infantilen Sexualität. Das eröffnet Zusammenhänge, die sich nicht nur auf Zwangserkrankungen beschränken, sondern einen bestimmten Charaktertyp betreffen. Warum treten die Eigenschaften Sauberkeit, Ordentlichkeit, Eigensinn und Geiz so oft miteinander auf? Was ist ein analer Charakter? Und was haben Zwangshandlungen mit Religion zu tun?
24. Vorlesung: 13. November (Sabine Schlüter)
Narzissmus: Ich und du ICH
Die Theorieentwicklung der Psychoanalyse steht in ihrer Hochblüte: Der kunstaffine, vielseitig interessierte Freud analysiert die verschiedensten Phänomene aus Kunst, Literatur, Ethnologie, Religion und natürlich Psychologie. Im Jahr 1914 stellt er Überlegungen an, die sich zu einem Meilenstein der Psychoanalyse entwickeln: Das Konzept des Narzissmus wird geboren. Was ist Narzissmus eigentlich wirklich? Ist etwas schiefgegangen, wenn man „narzisstisch“ ist? Ist Narzissmus ein Symptom? Oder eine Charakterschwäche? Ist Narzissmus das gleiche wie Selbstliebe? Man fragt sich, ob hier nicht wieder ein Stück Sexualität dahintersteckt …
25. Vorlesung: 20. November (Andreas Mittermayr)
Metapsychologie 1: Lust und Realität
Während Freud der jungen Psychoanalyse Erkenntnis um Erkenntnis hinzufügt, wächst in ihm das Bedürfnis, seine Gedankengänge zu sortieren: die Phase der theoretischen Ausarbeitung beginnt. Von konkreten Phänomenen schließt er auf allgemeingültige Zusammenhänge. Er überlegt sich vor, wie die Psyche gebaut sein muss, und gibt den einzelnen Elementen dieses Baus Namen – die „Metapsychologie“ ist geboren. In dieser Vorlesung geht es um (innere) Lust und (äußere) Realität: Warum führt der Weg in die Realität immer zuerst über die Phantasie? Was ist ein Lust-Ich und was ein Real-Ich? Was ist Denken? Und wie entsteht das Bewusstsein?
26. Vorlesung: 27. November (Franz Oberlehner)
Metapsychologie 2: Das Unbewusste
Wenn Freud die Bereiche „Bewusstes“, „Vorbewusstes“ und „Unbewusstes“ unterscheidet, so ist das Unbewusste gewiss die seltsamste Örtlichkeit von den dreien. Ein wenig gleicht es dem Wunderland, in dem Alice landet, während sie dem Hasen folgt: Logik ist darin unbekannt, Widersprüche existieren nicht, selbst das „Nein“ ist dort fremd. Die Lust ist im Unbewussten allmächtig. Doch wenn das Unbewusste so ganz anders ist als das Bewusstsein – wie wird dann etwas Unbewusstes bewusst? Steigt das Bewusste zum Unbewussten herunter oder klettert das Unbewusste zum Bewussten hinauf? Gibt es unbewusste Gefühle? Und werden Erinnerungen wirklich vergessen – oder existieren sie im Unbewussten weiter?
27. Vorlesung: 4. Dezember (Sabine Schlüter)
Metapsychologie 3: Der Trieb, sein Schicksal und die Verdrängung
Im Jahr 1915 macht sich Freud daran, die grundlegenden Themen der Psychoanalyse systematisch abzuhandeln. Seine Schriften zum Trieb, zur Verdrängung und zum Unbewussten werden zu Klassikern der psychoanalytischen Theorie. Wie sind die Triebe beschaffen? Wie entwickeln sie sich im Laufe des Lebens? Wie ist ihre Beziehung zu Liebe, Lust und Hass? Warum werden sie verdrängt? Was ist Verdrängung eigentlich genau? Was passiert dabei? Und warum klappt Verdrängung manchmal – und manchmal nicht?
28. Vorlesung: 15. Januar (Andreas Mittermayr)
Charakter und Neurosenwahl
Freud brachte sowohl die nicht-pathologische Charakterbildung als auch die Neurosenwahl – später wurde auch der Begriff der „Charakterneurosen“ geprägt – mit der Triebentwicklung in Zusammenhang. Welche Charaktertypen werden von Freud beschrieben und wie erklärt er ihre Genese? Welche Erkrankungstypen konzeptualisiert er und was hat es mit der sogenannten Neurosenwahl auf sich? Welche Momente in der Entwicklung entscheiden darüber, ob jemand zwanghaft, hysterisch oder paranoid wird? Welche Persönlichkeiten lieben erotisch, zwanghaft oder narzisstisch und warum?
29. Vorlesung: 22. Januar (Andreas Mittermayr)
Trieb und Kultur
Obwohl Freud nie behauptete, man solle seine Sexualität schrankenlos ausleben, wurde er dennoch für die Kritik an der Sexualmoral seiner Zeit bekannt. In sehr unkonventioneller Weise überlegt er, welche Folgen übermäßige sexuelle Einschränkung hat und entwickelt ein eigenes psychoanalytisches Verständnis von der Kultur. Was denkt Freud über den zivilisierten Menschen? Macht die Kultur den
Menschen glücklich? Warum gibt es Kriege? Wird es sie immer geben? Und kann man die menschliche Aggression ausrotten?
30. Vorlesung: 29. Januar (Sabine Schlüter)
Religion
Bei der Untersuchung der Zwangsneurose ist Freud auf Parallelen zwischen Zwangssymptomen und religiösen Riten gestoßen. So wird er darauf aufmerksam, dass Abwehrmechanismen nicht nur etwas Persönliches sind – auch die gesellschaftlichen Institutionen, ja, die ganze menschliche Kultur kann man als Abwehr gegen die Forderungen der Triebe verstehen. Die Analyse des Phänomens „Religion“ fördert überraschende Bedeutungen zu Tage. Welche Bedürfnisse verbergen sich hinter der Religion? Warum schaffen wir uns Götter und was drängt uns, an sie zu glauben? Welche gesellschaftliche Funktion erfüllt die Religion? Und hat sie eine Zukunft?
Lehrende
Andreas Mittermayr, MMag. MA
ist Psychoanalytiker und Lehranalytiker (WPV/IPA), dzt. stv. Vorsitzender der Wiener Psychoanalytischen Vereinigung, Co-Departmentleiter für Theorie und Wissenschaft der Wiener Psychoanalytischen Akademie; Herausgeber für Österreich der Zeitschrift für psychoanalytische Theorie und Praxis (ZpTP) (Klostermann); Lehrtätigkeit in WPV und WPAk, rege Vortrags- und Publikationstätigkeit, zuletzt: Die Kreativität des Unbewussten (Hg. zus. mit S. Zwettler-Otte), Psychosozial, 2024; In Kafkas Haut, ZpTP 3/2024; Der Exzess der Interpretation, texte 2025 (im Druck).
Franz Oberlehner, Dr.
Ist klinischer Psychologe, Psychoanalytiker und IPV-Lehranalytiker im Wiener Arbeitskreis für Psychoanalyse (von 2013 bis 2015 Leitung der Ausbildungskommission). In der Wiener Psychoanalytischen Akademie unterrichtet er als Lehrtherapeut und Supervisor für Psychoanalytisch orientierten Psychotherapie (PoP) und zu kulturtheoretischen und sozialpsychologischen Themen. Letzte Veröffentlichungen: Körperaugmentierung und Wirklichkeitssinn (in: Grabska et al.: Virtuelle Berührung – zersplitternde Realität. Zur Psychoanalyse von Digitalisierung und Internetkultur. Psychosozial, 2023); Gibt es die Normalpsychose? (Sigmund-Freud-Vorlesungen, 2023); Vertauschung von Subjektivem und Objektivem als Kern des Narzissmus-Konzeptes (ZpTP 2/2024).
Sabine Schlüter, Mag.
ist Historikerin, Psychoanalytikerin und Lehranalytikerin (WAP/IPA) und seit 2023 Mitglied der Ausbildungskommission, Co-Departmentleiterin für Theorie und Wissenschaft der Wiener Psychoanalytischen Akademie. Lehrtätigkeit in WAP und WPAk, rege Vortrags- und Publikationstätigkeit, zuletzt: Macht. Sigmund-Freud-Vorlesungen 2024 (Hg. zus. mit R. Gross), Brandes & Apsel, 2025.

Wir freuen uns auf Ihre Anmeldung!
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| Veranstalter: |
Wiener Psychoanalytische Akademie (WPA) |
| Zielgruppe: | Interessierte an Psychoanalyse |
| Programmleitung: | Mag. Sabine Schlüter |
| Preis der Veranstaltung: | EUR 290,00 |
| Reduzierter Preis: | EUR 175,00 |
| Termine: |
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